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Beiträge aus dem Was-mit-Medien-Alltag

Webfontday 2012

Zusammenfassung eines abwechslungsreichen, informativen und unterhaltsamen Tages in München

Webfontday 2012 - Programmkarte
Webfontday 2012 - Programmkarte • Foto: Martin Kohlhaas

Zunächst hatte ich das Gefühl, dass Grafikdesigner an Webthemen herangeführt werden sollen. So war die Einführung in HTML-Entities (Yves Peters) schon etwas seltsam. Die gibt es ja auch schon 20 Jahre und die meisten davon werden Dank utf-8-Codierung auch nicht mehr benötigt. In der Gesamtschau aber – nach elf Vorträgen – war es ein runder Tag.

Ich habe mich zwischendurch gefragt, wie eigentlich mein perfektes Konferenzprogramm aussehen würde. Über Feeds und Twitter kann man in Puncto Technologien ganz gut auf dem Laufenden bleiben. So hatten wir die meisten der genannten Links – bis auf die Geschichten von Adam – auch schon gekannt: lettering.js ausprobiert, Symbolset setzen wir ein, typecast sind wir registriert, …. Technische Details passen vielleicht eher in Workshops oder Seminare. Was aber, denke ich, allen hilft, sind Einblicke in Arbeitsweisen und Projektstrukturen, wie sie am Ende von Christian Hanke und Klaus Birk kamen. Hier kann man unmittelbare Motivation und Anregungen für die eigene Arbeit mitnehmen. Diese Art von Vorträgen bleibt auch längerfristig immer von der Typo in Berlin immer im Gedächtnis.

Nachfolgend ein paar Stichpunkte aus meiner persönlichen Merkliste zum Webfontday 2012.

Tim Ahrens

www.justanotherfoundry.com

Der Auftaktvortrag mit einer Positionsbestimmung zur Typografie im Web. „Wir tauschen im Moment nur die Systemfonts gegen andere Schriften aus, aber es wird noch nicht nachgedacht.“ Webfonts sind als Technologie aus den Kinderschuhen raus und müssen erwachsen werden. Er hat das in zwei Richtungen ausgeführt, einmal unter dem Titel „Mehr wie Print“ und dann die Gegenposition „Weniger wie Print“. Webfonts verführen dazu, alle mikrotypografischen Elemente aus dem Print ins Web zu holen, wobei das Medium doch eigentlich (noch) ganz andere Möglichkeiten bietet.

Yves Peters

www.fontshop.com

Dieser Vortrag ging dann eher in die Richtung „Mehr wie Print“. Adam Twardoch hatte dann später sehr gute Argumente für „Ganz anders als Print“.

Indra Kupferschmid

kupferschrift.de

  • hat das Thema „responsiveness“ mal von der technischen Ebene auf die persönliche Erfahrungsebene geholt
  • Welche Designelemente reagieren eigentlich auf was?
  • Es gibt noch viel mehr Parameter als die Auflösung.
  • Es gab eine Menge Negativbeispiele zu sehen – auch mal schön.

Markus Greve

kochan.de

Eine wirklich saubere Übersicht über Unterschiede zwischen Pixelgrafiken und Symbolfonts für Icons in Web-Projekten bzw. Apps. Ein gut gemachter Vortrag.

Christian Riss

www.inostudio.de

Etwas konfuse Herleitung von Timepiece Rounded nach einer Inspiration durch FF Chartwell.

Wiebke Strehlitz und Helmut Ness + Andreas Schürkmann

www.fuenfwerken.com + www.beyond-interactive.com

Hier gab es eine schöne Anknüpfung an den Markus-Greve-Vortrag mit zwei Praxisbeispielen, welche letztendlich die Entscheidung für den Einsatz von Iconfonts noch mal bekräftigt haben. Ansonsten die Vorträge eher so aus dem Bereich „Portfolio“ und mit wenig Einblick in Arbeitsabläufe und -strukturen wie später bei Christian Hanke und Klaus Birk.

Toshi Omagari

www.linotype.com

Das war mal ein spannender Blick über den Tellerrand – ja es gibt auch noch Zeichensysteme außerhalb der „Latin-Welt“.

Adam Twardoch

www.fontlab.com

Tiefer Einblick in die Anatomie von Schrifttechnologie und ein cooler Ausblick auf die Dinge, die da kommen könn(t)en

Christian Hanke

edenspiekermann.com

Webdevelopment ist lebenslanges Lernen. Richtig! Es macht keinen Sinn, Projekte vorher mit Pflichtenheft durchspezifizieren zu wollen. Kontrolle muss durch Kommunikation ersetzt werden. Vertrauen zwischen Auftraggeber und Entwickler ist wichtig, weil man sich zuerst auf den Prozess des „Warum“ einlassen muss, bevor man zu den konkreten Umsetzungsfragen des „Wie“ kommen kann. Unterhaltsam rübergebracht.

David Berlow

www.fontbureau.com

Das war wirklich schade. David Berlow konnte nur per skype zugeschaltet werden. Das hatte seine lustigen Aspekte – der Inhalt des Vortrags kam aber zu kurz.

Klaus Birk

www.intuity.de

  • ästhetische Ebene im Designprozess möglichst nach hinten verlagern
  • wireframes, prototypes
  • erst „flows“ entwickeln, Funktionalitäten klären
  • usability ≠ user experience
  • HTML5-Canvas
  • visual diary

Zum Abschluss noch zwei Worte zum Ambiente: rundum angenehm. Die Veranstaltungsgröße ist gut. Das Mittag und der Kuchen waren sehr lecker. Nur die Bestuhlung war etwas zu eng. Da bitte mehr line-height und letter-spacing und es bleiben keine Wünsche offen. Danke an die Typografische Gesellschaft München. Ich denke, wir kommen wieder.

comment Kommentare

Martin am 28.11.2012, 16:30:

Florian Fecher hat bei 26+ Zeichen seine Favoriten vom webfontday kommentiert: 26plus-zeichen.de [extern]

Antonio am 13.11.2012, 09:18:

Ich stimme voll und ganz zu.

Ein guter Mix aus Projekteinblick und Typonerdtum.

Birgit am 12.11.2012, 12:23:

Vielleicht könnte die TGM beim nächsten Mal das Programm etwas früher veröffentlichen. Sieben Tage vor Veranstaltungsbeginn fand ich zu kurz.

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