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  • Stadtentwicklung

    veröffentlicht von Martin Kohlhaas am 01.07.2019 in Datenjournalismus, Illustrationen, Karten, Recherche, Vermittlung · 1 Kommentar

    Deutschlands Stadtgeschichte in Schwarzplänen

    Schwarzplan Weimar, Bild: Bildschirmfoto SPIEGEL Online
    Schwarzplan Weimar, Bild: Bildschirmfoto SPIEGEL Online

    Anna-Lena Kornfeld und Patrick Stotz haben für SPIEGEL online „Eine Graphic Story über Stadtpläne und Planstädte“ geschrieben.

    Die Schwarzpläne wurden aus OpenStreetMap erzeugt. Hier gehts es zur Website. Am Ende des Artikels kann man frei durch Deutschland stöbern.

  • A Visual Introduction to Machine Learning (screenshot), Bild: http://www.r2d3.us/visual-intro-to-machine-learning-part-1/
    A Visual Introduction to Machine Learning (screenshot), Bild: http://www.r2d3.us/visual-intro-to-machine-learning-part-1/

    „A Visual Introduction to Machine Learning“ nennt sich ein Experiment der Gruppe R2D3, welche mit Hilfe interaktiver Datenvisualisierung Hintergründe statistischer Auswertungen erklären will. Die vorliegende Erläuterung am Beispiel der Unterscheidung von Wohnungen in New York und San Fransisco scheint den ersten Teil einer Serie zu bilden. Weitere Teile sind angekündigt. Via Twitter kann man sich auf dam aktuellen Stand halten: https://twitter.com/r2d3us - Beeindruckend gemacht.

    Auf der Suche nach einer korrekten Übersetzung von „machine learning“ stieß ich auf Olivia's Blog mit dem Artikel „Machine Learning (1): Was, was nicht und wann?“, welcher das Thema mit mehr Text erklärt.

  • Webmontag #28 – Lernen

    veröffentlicht von Birgit Kohlhaas am 09.06.2015 in Content Management, Vermittlung, Webmontag · 5 Kommentare

    Online-Redaktionsplanung und Online-Lernen in MOOC

    Vortrag Redaktionsplanung, Bild: Folien zum Webmontag #28 (1) + 12 Bilder
    Vortrag Redaktionsplanung, Bild: Folien zum Webmontag #28 (1)

    Mit drei Frauen und vier Männern war der gestrige Webmontag in Weimar wieder erfreulich gut besetzt – für Thüringer Verhältnisse. 

    Angeregt durch den Vortrag „Die Netzgemeinde ist am Ende. Jetzt geht’s los.“ von Markus Beckedahl auf der rp15 sowie den Beitrag „Kommt in die Gänge! Schon in sechs Wochen soll die Vorratsdatenspeicherung beschlossen sein“ von André Meister am 20. Mai 2015 auf netzpolitik.org hatte Martin eine E-Mail an Carsten Schneider, Bundestagsabgeordneter der SPD, geschrieben – und auch eine Antwort erhalten. Dieser Schriftverkehr machte kurz die Runde, wurde aber nicht weiter diskutiert.

    Als ersten Haupt-Topic stellte Martin seine Gedanken zum Thema Redaktionsplanung vor. Wie sollte man vorgehen, wenn man als Firma, Organsiation, Privatperson News auf der Website veröffentlichen oder einen Blog betreiben will? Wie kann man die Arbeit einteilen und welche Themengruppen gibt es? Kurzum: wie kann man verhindern, dass aus dem groß angekündigtem Blog ein News-Archiv wird, nach dem Motto „Unsere News: Letzte Änderung vor zwei Jahren“ … Die Slides zum Vortrag findet Ihr oben.

    Zweites Thema war Massive Open Online Courses (MOOC). Christof erlaubte uns Einblick in die drei US-amerikanischen Online-Learning-Plattformen Coursera, edX und Udacity, bei denen er selbst schon Kurse belegt und auch beendet (!) hat. Hier spielt es offenbar eine Rolle, ob der Kurs feste Deadlines für die Bearbeitung von Aufgaben vorgibt oder nicht (wer hätte das gedacht). Jedenfalls ist es nicht damit getan, sich abends mal schnell das neueste Video anzuschauen.
    Bemerkenswert an diesen Plattformen ist meiner Meinung nach nicht die Technik (eigentlich nichts Neues: Video + Forum + Aufgaben/ Tests) und auch nicht das Interface (ziemlich „ungestaltet“, mainly Bootstrap Vanilla), sondern die Möglichkeit, Kurse von wirklich renommierten Professorinnen und Professoren oder Wirtschaftsmenschen „besuchen“ zu können und so einen Einblick in die Lehre an anderen Unis bzw. in Unternehmen zu gewinnen. Seine Stichpunkte findet Ihr auf github.

    Ein kleines Demo von Pinboard, das Christof zur Bookmarkverwaltung nutzt, machte den Abend komplett. Die Stichpunkte findet Ihr ebenfalls auf git.

    Nächster Webmontag: 13. Juni 2015, 20:00 Uhr am Kirschberg 10
    Clement spricht über Kategorisierung/ Systematisierung von Web-Frameworks und ich gebe eine kurze Einführung zu Flexbox.

    Kommentare und neue Leute willkommen!

  • Wie geht agiles Entwerfen?

    veröffentlicht von Martin Kohlhaas am 22.08.2014 in Illustrationen, Informationsgrafiken, Lab, Nähkästchen, SVG, Vermittlung · 2 Kommentare

    Es ist in letzter Zeit viel die Rede von agilem Arbeiten, interaktivem Entwerfen, iterativen Prozessen – doch wie muss man sich das vorstellen? Wir zeigen an einem aktuellen Projektbeispiel die Entwicklung einer Zeitstrahl-Grafik von der Vorlage bis zur fertigen Drucksache.

    Vorlage „Von der Schule an die Hochschule“, Bild: Broschüre „Studiere in Thüringen“ 2011 + 7 Bilder
    Vorlage „Von der Schule an die Hochschule“, Bild: Broschüre „Studiere in Thüringen“ 2011

    Wir betrachten eine der Grafiken in der Broschüre „Studieren in Thüringen“ im Rahmen der Kampagne „Entdecke Dein Studium“ des Netzwerks Hochschulmarketing. Wie bei dieser einzelnen Grafik erfolgte der gesamte Gestaltungsprozess in diesem Projekt iterativ, also: Entwurf > Diskussion > Anpassung Inhalte Broschüre und Zeitstrahl > Entwurf > Diskussion – Anpassung Inhalte Broschüre und Zeitstrahl > Gestaltung …, – immer unter Verwendung echter Inhalte, immer im Kontext der Gesamtpublikation und immer im Abgleich mit anderen, parallel bearbeiteten Projekten dieser Kampagne (Website, Anzeigen).

    So wie das im agilen Entwicklungsprozess im Webdesign anzustreben ist, steht also am Ende jedes Entwicklungsschrittes quasi ein publikationsfähiges Ergebnis.

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    Ausgangspunkt war der Wunsch, die Tabelle „Von der Schule an die Hochschule“ aus einer früheren Broschüre in eine zeitgemäße grafische Form zu überführen – Arbeitstitel „Zeitstrahl“.

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    Ein erster Entwurf stellte auf Basis der „alten“ Tabelleninhalte eine mögliche grafische Umsetzung vor.

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    Die Richtung kam an. Nun brachte der Auftraggeber die Inhalte auf den (jetzt gerade) aktuellen Stand, den (jetzt gerade) aktuellen Gliederungspunkten der Broschüre zugeordnet, das Ganze als Tabelle aufbereitet.

    Es folgten weitere Entwurfsstufen:

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    Die Entwürfe wurden einerseits durch die fortschreitende Ausarbeitung und Veränderung der Inhalte (die Gliederung musste im Laufe der Arbeit mehrfach leicht angepasst werden, Kapitel wurden zusammengefasst oder neue ergänzt werden), andererseits durch die Definition und Vereinheitlichung der grafischen Sprache bestimmt. Der Styleguide für dieses Projekt entwickelte sich kontinuierlich während der Arbeit an den Einzelprodukten – im Gegensatz zu einer Vorab-Definition eines Corporate Designs.

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    Am Ende steht ein Ergebnis, das sich relativ stark vom ersten Entwurf unterscheidet. Die einzelnen Zwischenschritte zeigen, dass der Prozess vor allem in der Reduktion der Elemente, im Aufräumen, bestand, so dass die Anzahl von Farben, Linienstilen und Schriftvarianten – aber auch die Anzahl der Informationen in der finalen Version am geringsten ist.

    Als zusätzliches Produkt wurde der Zeitstrahl in einer SVG-Variante (hier viel zu klein eingebunden – besser im Original auf campus-thueringen.de/studienwahl/) für die Website adaptiert. Auch hier gab es mehrere Überarbeitungsschleifen bis zum Ergebnis.

    Fazit: Ein agiler Entwurfsprozess ist dann sinnvoll, wenn die Aufgabenstellung offen, aber das Ziel klar ist.
    Es gab hier keine konkreten Designvorgaben und keine „festen“ Inhalte. Aber es gab das Ziel, die To-Do’s der Studienvorbereitung grafisch abzubilden. 

    Diese Art des Arbeitens funktioniert nicht immer und nicht mit jedem. Der Auftraggeber muss genügend Fantasie aufbringen, um auch in unausgereiften Skizzen das Potenzial zu erkennen und darf das Vetrauen in seinen Designer nicht verlieren. Der Gestalter muss konstruktive Kritik als Chance sehen, das Projekt noch besser zu machen – auch, wenn seine Lieblingsidee gerade rausgekickt wurde… nicht immer leicht. Aber am Ende sind alle froh :)

  • Websites als Gemeinschaften

    veröffentlicht von Martin Kohlhaas am 24.06.2014 in Kreativwirtschaft, Lab, Nähkästchen, Vermittlung · 1 Kommentar

    Eine Website zu betreiben, heißt eine soziale Gemeinschaft zu bilden und zu pflegen.

    Egal ob Verein, Berufsverband, Schraubenhersteller, Verlag, Schule oder privater Blog - die Zeiten sind lange vorbei, in denen sich ein Sender an eine Zielgruppe gewendet hat. Im Web 2.0 wollen alle etwas voneinander.

    Der Verein (also die Mitglieder, die aktiv sind) gibt Informationen an die Mitglieder und wünscht sich dafür Beteiligung. Ein Hersteller veröffentlicht Produktinformationen auf der Suche nach Käufern oder Rückmeldung in Form von Bewertungen, Likes oder Empfehlungen. Ein Verlag ist Mittler zwischen Autoren und Lesern.

    Das hört sich im ersten Moment vielleicht etwas banal an. Tatsächlich – in meiner Webentwickler-Realität – werden Websites als technische Konstrukte wahrgenommen – als eine Ansammlung von Funktionalität – und nicht als soziale Gebilde. Das ist ein Problem. Als Dienstleister merken wir das bei Ausschreibungen und in der langfristigen Betreuung.

    Ausschreibungen lesen sich wie der Weihnachtswunschzettel meiner Kinder. Sie sind Ansammlungen von konkreten Produktwünschen, gerne mit Stückzahl und Bestellnummer:

    • „Wir brauchen eine Typo3-Website …“,
    • „Ich will eine Lightbox …“,
    • „Da muss ein Karussell rein …“,
    • „Wir wollen einen Blog …“.

    Selten bis nie liest man inhaltliche Wünsche nach dem Motto:

    • Wir möchten regelmäßig über neue Produkte informieren und dazu die Meinung unserer Kunden hören.
    • Wir möchten Lehrern, Schülern und Eltern eine geschlossene Plattform zum Austausch von Erfahrungen geben.
    • Unsere Mitgliedern möchten Ihre Erlebnisse bei Vereinsaktivitäten austauschen.
    • Wir möchten, dass unsere zufriedenen Kunden unsere Produkte weiterempfehlen.

    Aus solchen Wünschen lassen sich konkrete Aufgabenstellungen ableiten. Wer ist „Wir“? Um welche Informationen geht es? Wie oft und wie viele? Wer erstellt die Inhalte? Wer liest die Antworten? Und so weiter. Daraus ergeben sich dann Anforderungen, welche Technik zum Einsatz kommen kann, ob die eigene Website der richtige Platz ist oder vielleicht ein offenes Forum oder ein soziales Netz?

    Wenn Websites scheitern, ist das oft keine Frage der Technik, sondern eine Frage falscher Erwartungen oder Ausgangsbedingungen. Wie oft haben wir schon Foren installiert, weil ein Verband offensichtlich vorhandene Probleme zur Diskussion bringen wollte. Wie oft haben wir diese Foren nach einer Weile wieder abgeschaltet, weil nach zehn Wortmeldungen die Aktivität einschlief. Das ist – in erster Linie – keine Frage von gutem Forum oder schlechtem Forum, von Benutzbarkeit oder nicht (einige der aktivsten Foren, die ich kenne sind grottenhässlich und fast unbedienbar). Es ist eine Frage von Ansprache, davon dass die Initiatoren selbst diskutieren, dass auf Fragen geantwortet wird (zeitnah!), dass aus Diskussionen im Forum echte Aktivitäten in Gremien und daraus echte Entscheidungen werden.

    Blogs scheitern nicht, weil sie nicht in Wordpress programmiert sind. Blogs scheitern, weil einen Blog installiert zu haben nicht heißt, dass man fertig ist. Es geht um erkennbare Autorschaft, um nützliche Inhalte, um Stetigkeit.

    Online-Shops scheitern nicht, weil die Software doof ist. Sie scheitern, weil das Umfeld nicht stimmt, weil es vielleicht kein Verkaufskonzept gibt? Weil keiner die Produkte pflegt und das Schaufenster täglich liebevoll bestückt? Weil die Tatsache, dass man einen Online-Shop installiert hat, nicht heißt, dass die Käufer plötzlich Schlange stehen.

    Wenn die Entwicklung einer Website nicht als technische sondern als soziale Frage betrachtet wird, dann besteht auf lange Sicht auch Aussicht auf Erfolg. Dann kommt auch nicht als erste Reaktion auf die Reaktion des Dienstleisters auf den „Wunschszettel“: „Oh – so teuer?“. Denn dann ist selbstverständlich, dass die technischen Fragen – also die Herstellung der technischen und formalen Infrastruktur – nur einen Bruchteil in der Gesamtaufgabe ausmachen. Und mit Sicherheit werden viele der technischen Wünsche nicht sofort gebraucht. Und müssen auch nicht alle Kosten sofort entstehen.

    Ich wünsche mir mehr Auftraggeber die erkennen, dass die größten Arbeitsanteile vor und nach der Websiteproduktion liegen.

  • „Kooperation ist die Rettung“

    veröffentlicht von Martin Kohlhaas am 19.05.2014 in Feldforschung, Kreativwirtschaft, Vermittlung · 2 Kommentare

    Vortrag von Victoria Ringleb, Geschäftsführerin der AGD

    co-working-space in der bauhaus.factory, Bild: Foto: Martin Kohlhaas
    co-working-space in der bauhaus.factory, Bild: Foto: Martin Kohlhaas

    Es ging um das Netzwerken in der Kreativwirtschaft, vor allem als Chance für „Einzelkämpfer“ auf der Suche nach spannenderen und/oder größeren Projekten. Netzwerken wurde hier weniger als Form von lockerem Austausch, sondern im Sinne von konkreter Kooperation bei realen Projekten referiert.

    Für mich war der Termin vor allem eine Gelegenheit, am Tag der Eröffnung, die bauhaus.factory, das neue Kreativzentrum in Weimar mal von innen zu sehen.

  • Geldfragen und CMS-Erfahrungen

    veröffentlicht von Martin Kohlhaas am 06.12.2013 in Content Management, Link-Tipps, Recherche, Vermittlung

    drei Link-Empfehlungen zum Nikolaus

    Zwei Erfahrungsberichte haben es mir in der letzten Woche besonders angetan:

    1. Was kostet eine Website?

    Marko Hinze, Webdesigner und -entwickler aus Karlsruhe hat sich – bereits im August – dem Thema Angebotsanfragen zu Website-Projekten angenommen. Der Artikel greift alle Themen auf, die unbedingt in ein Briefing gehören und kombiniert dies mit kleinen Argumentationshilfen.

    1. Aspekte bei Wahl und Einrichtung von Content-Management-Systemen

    Mal wieder ein Beitrag aus dem Hause Gerrit van Aaken mit Erfahrungen aus dem CMS-Alltag. Meine Erfahrung: Das beste CMS ist das, welches der Dienstleister beauftragt wird zu installieren, um dann damit die Website des Auftraggebers selbst aktuell zu halten. Den „Mythos vom eifrigen Kunden“ kann ich genau so nachvollziehen - die redaktionelle Arbeit an einer Website wird immer wieder bzw. immer noch unterschätzt. Es scheint den Gedanken zu geben, dass allein die Installation eines CMS die Website von selbst pflegt. Die Anregung zur Produktion kurzer Tutorial-Videos statt ausufernder CMS-Schulungen ist definitiv eine weitere Überlegung wert.

    Und wer jetzt noch Zeit hat auf etwas Unterhaltung, dem sei die Tumblr-Site http://tabcloseddidntread.com/ empfohlen und wer es ausführlicher mag liest dazu den Hintergrundbeitrag „The Value of Content“.

  • Infografik der Woche

    veröffentlicht von Martin Kohlhaas am 05.07.2013 in Datenjournalismus, Informationsgrafiken, Recherche, Vermittlung · 1 Kommentar

    PRISM ist Dauerthema der letzen Wochen und wird es dank TEMPORA und neuen Erkenntissen aus Frankreich hoffentlich auch noch eine Weile bleiben.

    Von OpenDataCity gibt es zwei Apps zum Thema, die prima zeigen, was Infografik kann: einen Sachverhalt oder Zusammenhang durch Visualisierung deutlich machen. Findet das Ganze dann auch noch online statt und greift auf echte Daten zurück, bekommt die die Infografik noch eine spielerische Komponente, die (mal verglichen mit der klassischen Infografik zum Beispiel im gedruckten SPIEGEL) noch mehr Lust macht, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Und wenn dann noch alles unter dem Label „App“ so verpackt ist, dass man es prima in eigene Websites einbetten und teilen kann, verdient das Lob und Respekt.

    Stasi versus NSA


    Gehe zu Stasi versus NSA. Realisiert von CC-BY 3.0 OpenDataCity.

    Weg der Datenpakete

  • Nachlese Typo 2013: Was Kinder wollen

    veröffentlicht von Birgit Kohlhaas am 03.06.2013 in Feldforschung, TYPO Berlin, Vermittlung

    Vergleich von zwei Vorträgen zum Thema „Gestaltung für Kinder“ auf der Typo Berlin 2013

    Das Buch „H.O.U.S.E.“ von Aleksandra Machowiak und Daniel Mizieliński, erschienen bei Gecko Press, stellt besondere Wohnhäuser weltweit vor. Zu jedem Haus gibt es Zeichnungen, eine einen Text und weitere Infos – immer genau darauf abgestimmt, was denn so besonders an dem Haus ist, Bild: Birgit Kohlhaas
    Das Buch „H.O.U.S.E.“ von Aleksandra Machowiak und Daniel Mizieliński, erschienen bei Gecko Press, stellt besondere Wohnhäuser weltweit vor. Zu jedem Haus gibt es Zeichnungen, eine einen Text und weitere Infos – immer genau darauf abgestimmt, was denn so besonders an dem Haus ist, Bild: Birgit Kohlhaas
    • Vortrag 1: Daniel Trattler:„Pädagogische Computerspiele für Kinder“
    • Vortrag 2: Daniel Mizieliński: „Using design and all means necessary to teach kids and educate parents“, frei übersetzt: „Durch Gestaltung (und alles, was geht :) Kinder unterrichten und Eltern erziehen“ (Die Übersetzung im Typo-Programmheft lautete: „Kinder und Eltern unterrichten mit Design und anderen Medien“. Das ist zweideutig und gefällt mir deshalb nicht.)

    Am ersten Typotag sprach Daniel Trattler in der Show über Computerspiele und die Krux, dass die lieben Kleinen immer sofort spüren, wenn ein Lernziel oder eine bestimmte Erziehungsabsicht hinter einem Spiel stecken. Dann verlören die Kinder die Lust an diesem Spiel. Ich frage mich, ob das nicht eine Ausrede der Erwachsenen ist. Schließlich lernt man mit Minecraft und mit Lego auch eine ganze Menge, und das wissen die Kinder auch… Anyway.

    Ohne eine Erklärung, wie sich diese Erkenntnis denn auf die entsprechenden Projekte seiner Agentur eobiont in Berlin ausgewirkt hat, folgte eine Portfolio-Schau. Plötzlich wurden die üblichen knallbunten Figürchen gezeigt, zum Beispiel die „Ampelinis“ (ja, mit „s“!), ein Projekt aus dem Jahr 2010, zu dem es mittlerweile auch die Ampelinis-Website und die Ampelinis-App gibt.

    In dem Video zum Projekt „Ein Neujahrswunsch“ sagt ein Mädchen in rosafarbener Bluse und Blumenrock, das vor einem hellblauen… Pappwald steht: „Wichtig ist es, sich einen richtig tollen Wunsch auszudenken, damit die Leute für Dich abstimmen und Du gewinnst.“

    In Erinnerung, aber leider nicht auf der eobiont-Website zu finden, ist mir auch ein Projekt für Jugendliche geblieben. Wieder wurde mit diesen Figürchen gearbeitet, die man von T-Shirts und so kennt, total überzeichnete Klischees: ein brünettes und ein rothaariges Mädchen mit Wespentaille, beide natürlich mit langen Haaren, die Jungs vermeintlich extrem „cool“ angezogen – allesamt sehr uniform.

    Daniel Trattler zufolge wollen Kinder und Jugendliche so ’was haben. Lieber Herr Trattler, das glaube ich nicht. Ich glaube vielmehr, dass sich Erwachsene gern einreden, dass Kinder so 'was wollen. Und warum? Weil es alles leichter macht. Egal, was man verkaufen will, man muss es nur kindgerecht dekorieren und umformulieren. Ist doch praktisch!

    So einfach ist es aber zum Glück nicht. Kinder wollen genauso wichtig genommen werden wie Erwachsene. Sie können meiner Erfahrung nach Dekoration sehr gut von Inhalten trennen – vielleicht nicht wissentlich, aber intuitiv.

    Ich konnte in dem Moment wirklich nicht glauben, dass ich in einem Vortrag sitze, der „Pädagogische Computerspiele für Kinder“ heißt. Was sollen die Kinder denn daraus lernen? Passt Euch an! Nur die, die cool aussehen, sind auch cool. In der Ampel wohnen kleine Figürchen… Wünsch Dir was, was alle wollen, dann bekommst Du Deinen Wunsch erfüllt – OMG.

    Am letzten Typotag sprach dann Daniel Mizieliński auf der Stage. Er ist einer der beiden Inhaber von hipopotam studio in Warschau und stellte verschiedene Buchprojekte für Kinder und Erwachsene (!) vor. Unter anderem das Buch „H.O.U.S.E.“ von Gecko Press, was wir vor anderthalb Jahren zu Weihnachten geschenkt bekamen. Nebenbei bemerkt: Wir machten damals das Päckchen auf und überlegten, für wen das Geschenk denn sei (eine Karte lag nicht dabei) – der beste Beweis dafür, dass die hipopotam-Bücher wirklich für Kinder und Erwachsene gemacht sind.

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    Daniel Mizielińskis Credo lautet: „Kinder sind Erwachsene mit weniger Wissen aber mit mehr Offenheit.“

    Anstatt davon auszugehen, dass man Kindern einfach alles „verkaufen“ kann, wenn es nur bunt genug ist, meinte Daniel Mizieliński, das Wichtigste sei doch der Inhalt, also das, was man vermitteln möchte. Und interessante Inhalte gebe es schon genug in der Welt, man brauche keine neuen Inhalte zu erfinden. Stattdessen solle man sich lieber überlegen, was für beide – Kinder und Erwachsene – interessant sein könnte. Denn kaufen würden die Bücher in den meisten Fällen ja die Erwachsenen.

    Viele Erwachsene, die Bücher für Kinder kaufen, würden aber denken, Bücher für Kinder müssten bunt und „quietschig süß“ sein, sonst gefielen sie den Kindern nicht. Sie denken, Bücher für Mädchen müssten rosa sein und mindestens ein Pferd oder ein Einhorn auf dem Umschlag haben. Bücher für Jungs seien blau und ihre Helden seien Kämpfer.

    Diesen potentiellen Bücherkäufern werden die hipopotam-studio-Bücher nicht gefallen. Bunt sind diese Bücher auch. Sie sind aber frei von Stereotypen und dafür voll mit interessanten Informationen und kleinen Dingen, die nach und nach entdeckt werden können.

    Durch zahlreiche Beispiele aus seinem Portfolio konnte Daniel Mizieliński seine ebenso zahlreichen echten Statements belegen. Endlich mal wieder einer mit einer eigenen Meinung, der diese auch mitteilt und aufzeigt, dass sie auf fundiertem Wissen und auf Erfahrungen beruht.

    Lieber Daniel Mizieliński, der Vortrag war viel zu kurz! Als wir aus Berlin nach Hause kamen, wurde erstmal im H.O.U.S.E.-Buch gestöbert – natürlich MIT Kind.

  • Typo Berlin 2013: Tag 3 und Fazit

    veröffentlicht von Martin Kohlhaas am 19.05.2013 in Feldforschung, TYPO Berlin, Vermittlung · 1 Kommentar

    Vorträge von Andreas Koop, Gesche Joost, TypeCookers.com, Albert-Jan Pool, Paul Barrot, Michael Johnson und Jessica Walsh

    Typo Berlin 2013
    Typo Berlin 2013

    Andreas Koop referierte über das Thema seines Buches „Die Macht der Schrift“ und gab damit einen spannenden Einblick in die Zusammenhänge zwischen Staatsform, politischer Rhetorik und grafischer Repräsentation. Die Message: „Form kann Inhalt sein“ und „Wer falsche Kapitälchen verwendet kommt nie in den Himmel“.

    Mit Gesche Joost blieb es politisch, zumindest auf der Sub-Ebene da ihre Aufnahme ins Steinbrücksche Wahlkampfteam in der letzten Woche für Schlagzeilen sorgte. Ihr Vortrag zeigte, wie Forschung sein sollte: offen, nah am Menschen und relevant! Ein großes Like dafür.

    video zum Video

    Erik van Blokland und Paul van der Laan sorgten für Muskelkater in den Lachmuskeln bei der Kritik und Prämierung der Ergebnisse des vortägigen Schrift-Workshops. Wow! So muss Lehre sein. Ich glaube über die inneren Zusammenhänge von Schrifteigenschaften ist bei mir noch nie so viel hänen geblieben, wie bei dieser (Lehr-)Stunde. Ausprobieren bei http://typecooker.com/.

    Es wurde wieder wissenschaftlich mit Albert-Jan Pool und seinem Vortrag über die Arbeit zur DIN 1450, der Norm zur Leserlichkeit. Mehr Informationen gibt es dazu auf typografie.info

    Paul Barrit: „We were born in the cinematic age and are going to die with poor TV and DVDs.“

    video zum Video

    Und damit zum Bonusmaterial, zum Unterhaltungsteil. Ich fange mal mit Jessica Walsh an, fast ein Deja-Vue, denn im letzten Jahr sprach an der gleichen Stelle Jessica Hische. Nicht nur die Ähnlichkeiten im Name sind frappierend, der Karriereweg, der Vortrag, die Attitüde – man sollte die beiden Talks mal übereinanderlegen. Es hätte schön werden können, aber HAT DIE DEN #AUFSCHREI NICHT GEHÖRT? WTF? Das waren Momente der peinlichen Berührung, um beim „touch“ zu bleiben.

    Echte Tränen der Freude erwischten mich aber bei Michael Johnsons Tour durch die Jahrzehnte der Gitarrenmusik. Ikonen des Grafikdesign großartig vertont bzw. Ikonen der Musik grafisch illustriert – das müssen die Kinder sehen! Gemeinsam werden wir durchs Plattenregal blättern und die Songs in voller Länge nachhören und dabei die Artworks ausführlich würdigen.

    video zum Video

    Bye Bye Typo, Rock’n’Roll will never die!

    Das Fazit

    Es ist ein großer Vertrauensvorschuss an einen Veranstalter, ein halbes Jahr im Voraus 396 Euro (early bird + Kleingruppentarif) auf den Tisch zu legen für ein Programm, was man nicht kennt. Von «passion» (2010) über «shift» (2011) bis zu «sustain» (2012) hat das immer wieder ganz OK funktioniert. Ich hatte das Gefühl, das drei, vier gute Vorträge ausreichen, um die Zeit zwischen den Typos zu überbrücken – aber jetzt brauche ich eine Pause. Es gab schöne Moment in diesem Jahr – keine Frage, aber der Gesamteindruck hat mir nicht gepasst. Die Wiederholungen werden zu offensichtlich. Vor zwei Jahren «shift» – Wandel, hier ging es um Paradigmenwechsel, neue Wege und dann «sustain» mit klaren Forderungen und Aufrufen zur Nachhaltigkeit. Doch dieses Jahr wieder «sell, sell, sell». Nächstes Jahr mit dem Billigflieger nach London zur One-Day-Show der Typo, so die Ankündigung von Jürgen Siebert. Ich habe das Gefühl, ich werde veralbert. Meinen die das eigentlich ernst, was sie „predigen“? Sind die Themen nur Fassade, nur Labels, damit man was auf die Taschen pappen kann? 

    Und inhaltlich? Ich bin weder Schriftgestalter, noch Letterer oder Calligraf. Ich bin Kommunikationsdesigner, Coder, Webdeveloper und arbeite mit Schrift. Ich bin da ganz bei Andreas Koop „Form kann Inhalt sein“. Webdesign ist zu 90% Typografie. Aber die Typo ist nur zu 10% Web. (kennzeichnend: nur ganz wenige Arme gingen hoch, als Harry Keller nach Leuten fragte, die auf twitter sind), #typo13 würde es wohl nie in die trending topics schaffen. Die Impulse für meine Arbeit waren mir zu wenig und auch die großen Theorievorträge, die das ausgleichen können, habe ich in diesem Jahr vermisst (Ausnahme: Jacek Utko, leider zu kurz)

    Es geht nicht ums Geld – 396 Euro für drei Tage sind angemessen aber lasst uns mal rechnen: webfontday (95 Euro) + re:publica (~ 150 Euro) + beyond Tellerrand (149 Euro, jeweils early-bird-Tarife) macht zusammen 394 Euro und das hört sich nach einem verdammt guten Line-Up für das kommende Jahr an.